Peter Ackroyd: Chatterton
- Simon Gerhol
- 12. Feb.
- 1 Min. Lesezeit
S. 246 ‘Der Dichter holt die Welt nicht bloß wieder hervor oder beschreibt sie‘ sondern er erschafft sie und deshalb wird er gefürchtet.‘
Der postmoderne historische Roman auf 350 S. Erzählt auf mehreren Zeitebenen die

Geschichte des englischen Poeten Thomas Chatterton, der an der Schwelle zur Romantik n den Freitod schwappte. Oder doch nicht?
Dem Erzähler der Jetztzeit (anno 1980er), einem erfolglosen Schriftsteller fällt ein Porträt in die Hände, welches besagten Dichter älter als zur Zeit seines Ablebens zeigt. Die suche beginnt, mit komplexen Vergleichen und tiefem Hintersinn, zahlreichen anspeilungen, bis die Story sogar durch die Zeit fällt. Auf allen Zeitebene wälzen nun sämtliche Protagonistinnen/Künstler die Frage nach dem Sinn aller Dichtung und rätseln über die Vergänglichkeit allen menschlichen Schaffens – über mehrere Zeitalter hinweg.
Ein bücher-essender Möchtegerndichter, eine Gin-mit-Löffel-schlürfende Ex-Schriftstellerin, überzeichnete Galeristen lassen das Typische im sogenannten einsamen Genie deutlich und bisweilen skuril hervortreten und es gelingt dem Autor (alsdann) sogar, eine wahrhaft rätselhafte Frauengestalt zu schaffen, ohne sich irgendwelcher Klischees bedienen zu müssen. Ein beinahe in Vergessenheit geratenes Meisterwerk postmoderner Formgebung samt ihrer Krise aller Kunst.
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