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Ioanna Orleanu: Im Gold des Oktobers (Reihe Märchen aus dem Leben)




Ein fulminanter Start (S. 7): ›Missgunst versteht sich sehr gut auf Demontage und erst recht, wenn sie Schwäche wittert.‹ und doch folgt eine frische, wohl gelaunte und kurzweilige Malerinnenbiographie, erzählt Lola von ihrem Liebesleben (von welchem sonst?).

Als Titel wäre vielleicht ›Lola‹ die bessere Wahl gewesen, hätte dieser immerhin Wedekinds ›Lulu‹ als Bedeutungs- oder Erwartungsraum aufgespannt, interessanter als Laub im Herbst.

Ein frischer, gelungener Stil, ein Spiel mit Redewendungen tröstet schnell darüber hinweg. Die virtuos vermittelte Sehnsucht aller Figuren, die Behauptung auf S. 60 zu widerlegen: ›eine Liebe hält drei, höchstens vier Jahre, dann lebt man sich auseinander. Das ist ein Naturgesetz.‹ schlägt einen in Bann und stets ›[liegt] ein trauriger Unterton in dieser Feststellung.‹

Denn (S. 33): ›der leidlose Mensch, konnte er etwas anderes als ein abstoßend plattes Wesen sein?‹, und so mühen sie die Figuren weiter ab (S. 49): ›wenn zwischen Anspruch und Wirklichkeit ein Abgrund klafft, heißt das nur eins: Man hat versagt.‹

Dieses Versagen entpuppt sich als pures Lebensmark, die Kunst als Ventil des Ego, als verzweifelter Hilferuf, das Tabu der eigenen Sterblichkeit zu überwinden, und sei es im Exil der Vergessenen. Ob Lola sich prostituiert?

Das Sprachspiel stößt jedoch auch an Grenzen (S.97, 98), wenn ›Morgensterne als Augen‹ nicht nur kitschig eingesetzt wird, sondern die Assoziation zur mittelalterlichen Waffe das Metaphernspiel ins Gegenteil des Gemeinten verkehrt (es gibt eben nur einen Morgenstern, der Plural zersetzt die Aussage). Oder wenn (auf S. 50) vom Ödipuskomplex die Rede ist, aber der Elektrakomplex gemeint ist. Aber vielleicht weiss das die Figur eben nicht und dies stört nur den psychoanalytischen Geist.

Alles in allem ein aufgehender (Morgen-)Stern, unbedingt zu empfehlen, denn was ist schon der Tod? S. 135: ›das Leben braucht Ignoranz.‹

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