Die Freiheit des Menschen besteht im Handeln gegen die eigene Vernunft, das letzte Aufbegehren des unterdrückten Trachtens nach Macht. Denn Macht generiert Wissen [Faucault], da sie Wahrheit definiert.
Es gibt keine ideologiefreie Erkenntnis.
Es gibt keinen Zufall, alles hängt zusammen, oder esoterisch: Alles ist in allem enthalten. Verschwörung?
Geschichte und Gesellschaft sind nicht planbar.
Das Internet fragmentiert die Öffentlichkeit. Es entstehen Echoblasen und Filterkammern.
Verschwörungstheorien setzen ihre Voraussetzungen als Dogma, benutzen ein mechanistisches Weltbild, um ihre Theorie vom Ende her zu erzählen.
D.h. beschränktes Weltbild: Warum werden die Wissenden/Überläufer nicht beseitigt, wenn die Verschwörer so mächtig sind?
Verschwörungen haben i.A. wenige Mitwisser, sind lokal und zeitlich beschränkt. Bei Verschwörungstheorien wird das Gegenteil behauptet.
Dabei bedienen sie sich starker Komplexitätsreduktion, um ein Identitätsgefühl zu vermitteln, da sie den gesunden Menschenverstand in den Vordergrund rücken, um von mangelndem Fachwissen abzulenken.
Die bemühte wissenschaftliche Darstellung (Fußnotenmenge etc.) dient der Überdeckung logischer Mängel durch formale Kohärenz, z.B. werden die Meinungen (!) Dritter als vermeintliche Belege angeführt. Gerne postuliert man die Existenz eines Renegaten. So soll das inkonsistente Selbstbild vervollständigt werden, Widersprüche überdeckt werden.
Letztlich sollen Verschwörungstheorien die seit der Aufklärung verlorengegangenen Götter ersetzen und dem Menschen Halt in einer komplexen Welt geben.
Nach ›innen‹ bedienen sie sich der Infektionsrhetorik (Vergiftung ›völkischer Werte‹), nach ›außen‹ der Kriegsrhetorik (Bedrohung des ›Volkes‹). Der antipluralistische Populismus findet seine Vereinfachung im Prinzip ›Volk‹ gegen ›Elite‹ und untermalt dies mit Nostalgie.
Quo Vadis?